Zinnsoldaten Hessen  

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Die Pikten

Artikel, Zeichnungen und Fotos von unserem Mitglied Marco Petermann

English translation here

(Bei Anklicken eines Bildes erhalten Sie meistens eine größere Ansicht)

297 – 841 sind die traditionellen Daten für das Bestehen der historischen Pikten. 297 werden sie erstmals in römischen Quellen erwähnt und 841 soll das schottische Königreich Dal Riatta seine Macht über die in Ostschottland ansässigen Pikten ausgedehnt haben. Zuvor waren sie von den Wikingern schon von den Shetlands, Orkneys und Nordschottland verdrängt worden.

Mit ihren südlichen Nachbarn befanden sich die Pikten regelmäßig im Krieg, ob es sich dabei nun um Römer, Briten oder auch Angeln handelte.

Archäologisch lässt sich dieses Volk nur sehr schwer fassen. Deutlich macht dies der vielsagende Titel des 1955 erschienenen Standardwerkes über die Pikten –  The Problem of the Picts (siehe Literaturliste am Ende des Artikels). Trotzdem gibt es erstaunlich viele Firmen die Figuren für Wargamingzwecke anbieten, im Gegensatz zu Schotten, Iren und Walisern.

Wie lässt sich das Äußere der Pikten rekonstruieren, wenn die archäologische Dokumentation  so schlecht ist? Dabei helfen die über ganz Ostschottland verteilten Steinstelen auf denen oft Menschen und kriegerische Handlungen abgebildet sind. Dank ihnen lassen sich Aussagen über Tracht, Bewaffnung und Kampfweise machen.

Hauptbestandteil der Tracht war ein langes Wams das bis zu den Knien oder der Mitte der Oberschenkel reichte. Gelegentlich sind auch Personen abgebildet, deren Tunika bis zu den Knöcheln reicht. Meist scheint es sich dabei um Geistliche zu handeln; nicht so auf der Stele vom Brough of Birsay auf Orkney. Die drei hier abgebildeten Männer sind eindeutig Krieger, wahrscheinlich Adelige.

Hosen sind so gut wie nie zu erkennen. Dass die Pikten meist barbeinig waren deckt sich auch damit, dass Bede (Angelsächsicher Mönch und Geschichtsschreiber aus dem7. und 8. Jahrhundert) sie als redshanks (Rotschenkel) bezeichnet.

Der Autor als Pikte im Life- Rollenspiel

Pikte (25mm Figur) zum Vergleich

Ob an Umhängen eine Kapuze angesetzt war oder ob sie über den Kopf gezogen und dann am Hals verschlossen wurden, lässt sich nicht eindeutig sagen. In jedem Fall wurden auch Gugeln (Anm. des Webmasters: Eine Art Mütze) getragen, wie ein Fund von den Orkneys beweist. Die Gugel hat, im Gegensatz zu Hochmittelalterlichen Gegenstücken, keinen langen Zipfel. Der untere Abschluss und die Fransen sind in Brettchenwebtechnik hergestellt. Mit der gleichen Technik wurden auch Borten hergestellt. Diese haben sich zwar nicht erhalten, dafür aber viele der Webbrettchen. Sogar auf den Bildsteinen lässt sich immer wieder Bortenbesatz und Fransen an der Kleidung erkennen. Auch einfache Karomuster waren verbreitet, wie der Falkirk Tartan zeigt. Dieses Stück Stoff verschloss eine mit Münzen gefülltes Gefäß und wurde mit der C-14 Methode ( die nicht besonders genau ist) auf  235 n. Chr. datiert. Damit ist der Falkirk Tartan übrigens der älteste karierte Stoff aus Schottland. Die Kleidung der Pikten konnte also bunt und reich verziert sein.

Haare wurden für gewöhnlich lang getragen. Bei den Bärten scheint der Vollbart mit spitzem Kinnbart am beliebtesten gewesen zu sein.

Die Bewaffnung eines gewöhnlichen piktischen Kriegers dürfte bloß aus Lanze und Schild bestanden haben. Adelige und wohlhabendere Krieger führten zusätzlich noch ein Schwert.

Wurfspeere dürften weit verbreitet gewesen sein, auch wenn sie auf den Steinen fast nie als solche zu erkennen sind.

Einhändig geführte Äxte werden in verschiedenen Zusammenhängen abgebildet, z.B. im Zweikampf, aber nie in der Schlacht. Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man weiß, dass nur zwei Abbildungen mit tatsächlichem Schlachtgeschehen existieren. (Meistens sind die Krieger bei Zweikämpfen oder anderen Handlungen zu sehen.) Bögen oder möglicherweise Armbrüste werden in Jagdszenen abgebildet.

Schilde sind meistens relativ klein und Rund. Bei Reitern ist das immer, bei Fußtruppen für gewöhnlich der Fall. Es gibt allerdings einige Ausnahmen rechteckiger Schilde die tendenziell auf älteren Steinen abgebildet sind. Dies deckt sich mit römischen Abbildungen. Will man also nicht speziell frühe Pikten darstellen, empfehlen sich runde Schilde. So lassen sich die Figuren auch noch ohne Probleme als Schotten, Waliser und Iren verwenden.

Rüstung lässt sich auf keinem Stein mit Sicherheit erkennen. Die zentrale Figur des Sueno´s Stone (Es handelt sich offensichtlich um einen Anführer) könnte einen Gambeson oder etwas Ähnliches tragen. Ob auf dem Dupplin Cross Helme zu erkennen sind ist umstritten. Mehr als einige Kettenhemdfragmente hat auch die Archäologie nicht zu Tage bringen könne. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass erst römische und später angelsächsische Rüstungsteile in die Hände der Pikten gelangten, wird Rüstung eher selten gewesen sein.

Auskunft über die Kampfweise der Pikten in der Schlacht gibt nur der  Aberlemno Churchyard Crosslab. Auf ihm ist vermutlich die Schlacht von Dunnichen 685 dargestellt. In dieser Schlacht schlugen die Pikten eine Armee aus Northumbria und töteten deren König Ecgfrith. Ich teile die Meinung, dass man den Stein wie ein Comic betrachten müsste nicht. In meinen Augen handelt es sich um eine einzelne zusammenhängende Szene.

Im Zentrum der piktischen Schlachtordnung stehen drei Krieger, die einen Schildwall symbolisieren. Der vordere hat den Schild erhoben und ist mit einem Schwert bewaffnet. Der Mittlere hat seinen Schild schützend vor sich gehängt und kämpft aus der zweiten Reihe mit seiner Lanze, und der hintere steht mit der Lanze bereit um evtl. entstehende Lücken zu füllen. Obwohl diese Kampfweise für das frühe Mittelalter nicht ungewöhnlich ist, scheint die Abbildung die Ursache dafür zu sein, dass man nach den WAB-Shildwall Armeelisten seine Pikten mit Piken ausstatten kann.

An den Flanken des Schildwalls befindet sich Reiterei. Der obere Reiter ist mit einem Schwert bewaffnet und der untere scheint im Begriff zu sein einen Wurfspeer zu schleudern.

Die Northumbrier kämpfen ausnahmslos zu Pferd. Ihre obere also die Rechte Flanke bricht gerade weg und im unteren Teil liegt ein Erschlagener an dem bereits ein Rabe nagt (Aufgrund der Größe wahrscheinlich Ecgfrith). Im Gegensatz zu den Angeln, die alle Helme tragen, schützen sich die Pikten lediglich mit Rundschilden. Beim hinteren Fußsoldat und dem oberen Reiter sind diese nicht zu sehen, da sie an der dem Betrachter abgewandten Seite getragen werden.  

Um Pikten darzustellen kommen alle barbeinigen frühmittelalterlichen Figuren in Frage, also Iren, Schotten, Waliser und natürlich Pikten. Der Hauptteil der Armee sollte aus Lanzenträgern mit nicht zu großen Schilden bestehen. Die Elite, die zu Fuß oder beritten kämpfen kann, ist an ihren Knöchellangen Tuniken und dem Schwert erkennbar. Einige tragen Kettenhemden und/oder Helme (Blacktreedesign ist die einzige Firma mit gepanzerten Pikten im Angebot. Gripping Beast hat einige Iren mit Kettenhemd oder Helm im Programm, außerdem lassen sich einige ihrer irischen Wikinger als Pikten verwenden.). Plänkler mit Wurfspeeren oder Bögen machen die piktische Armee vollständig.

Ergänzung durch den Autor: Gripping Beast bietet mittlerweile auch eine größerer Auswahl piktischer Miniaturen an.

 Literatur:

G. Henderson und I. Henderson, The Art of the Picts, London (2004)

N. Aitchson, The Picts and the Scots at War (2003)

J.E. Fraser, The Battle of Dunnichen 685 (2002)

F. Wainright, The Problem of the Picts (1955)